Kunststoff Grundieren von A-Z

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Neben Aluminium oder Stahlblech gibt es noch unzählige weitere Werkstoffe, aus denen Bauteile produziert, lackiert und an Fahrzeugen montiert werden. Doch anders als beim Grundieren von Metallen gibt es speziell beim Kunststoff grundieren einige Besonderheiten zu beachten. Erfahre, welche das sind, und noch mehr Wissenswertes in diesem Beitrag.

Kunststoff Grundieren
Quelle: lack-lounge.de

Wieso grundiert man Kunststoff?

Das Grundieren von Kunststoffen ist aus verschiedenen Gründen notwendig.

Dazu gehören:

  • Haftung ermöglichen (Abblättern der Beschichtung verhindern)
  • Weichmacherwanderung verhindern (Spröde-Werden des Kunststoffs vermeiden)
  • Schutz vor Witterungseinflüssen (Vergilben oder Grauwerden durch UV-Strahlung verhindern)

Warum hält Lack nicht auf Kunststoff?

Kunststoffe besitzen in der Regel eine niedrige Oberflächenenergie / Oberflächenspannung, weshalb Beschichtungsstoffe aufgrund der höheren Oberflächenspannung ohne spezielle Additive und Haftvermittler nicht dauerhaft daran haften bleiben und abblättern.

schlechte Benetzung / Haftung Kunststoff
Quelle: lack-lounge.de
gute Benetzung / Haftung Kunststoff
www.lack-lounge.de

Oberflächenspannung zum Vergleich:

  • PE/Polyethylen u. PP/Polypropylen = ca. 30 mN/m
  • Stahl = 2500 mN/m

Quelle: Industrieverband Klebstoffe e.V.

Wasser = 72,8 mN/m

Lacken ca. 35 mN/m

Je größer die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit ist, desto stärker neigt sie dazu, sich in Tropfen zu formen, wenn sie auf einen Untergrund aufgetragen wird. Folglich umso schlechter lässt sich dieser Untergrund mit der Flüssigkeit benetzen.

Eine konstante Haftung kann erreicht werden, indem die Oberfläche zusätzlich durch Schleifen vergrößert wird. Dies verbessert die Benetzbarkeit mit einem Beschichtungsstoff und unterstützt somit die Adhäsion (Anhangskraft / Haftung) dieser Beschichtung am Untergrund.

Wann muss ich Grundieren?

  1. bei ungrundierten Neuteilen
  2. bei grundierten Neuteilen
  3. bei Gebrauchtteilen

1. Ungrundierte Neuteile

Wenn ein Kunststoff in seinem blanken, ungrundierten Zustand vorliegt und lackiert werden soll, muss dieser zunächst grundiert werden.

Es ist jedoch nicht immer so einfach zu erkennen, ob das Bauteil bereits grundiert ist oder nicht.

Hierfür kannst du folgenden Trick anwenden:

Das Bauteil mit einem Nass-Schleifpapier und etwas Wasser an einer beliebigen Stelle anschleifen. Wenn sich das Wasser nun während dem Schleifens im Farbton des Bauteils färbt ist dieses bereits grundiert.

2. Grundierte Neuteile

Achtung! : Nicht jede vom Hersteller aufgetragene Grundierung auf Kunststoffen gewährt eine ausreichende Haftung um diese zu beschichten. Vor allem bei Zubehörteilen kann diese gegeben falls unzureichend sein.

(Die Haftung überprüfst du am einfachsten mit einem herkömmlichen Klebeband, das du aufklebst und rasch wieder abziehst. Sollte sich nun Grundierung am Klebeband befinden, ist diese als Haftbrücke unzureichend und muss entfernt werden, bevor das Bauteil neu grundiert wird. Wenn du es ganz genau wissen möchtest und auf Nummer sicher gehen willst, empfiehlt sich der Gitterschnitt.)

3. Gebrauchtteile

Wenn gebrauchte Bauteile aus Kunststoff aufgrund leichter Beschädigungen (z.B. Steinschläge, leichte Kratzer) repariert werden und dabei große Flächen des Untergrunds freigelegt werden müssen, sollten diese Bereiche in der Regel vor der Weiterverarbeitung grundiert werden.

Wie grundiert man Kunststoff?

Um die Haftung eines Beschichtungsstoffes auf dem Kunststoff zu gewährleisten, muss das Grundieren in folgenden Schritten erfolgen:

Kunststoff Grundieren – Neuteile (7Schritte):

Die Vorbereitung

  • 1. Reinigung (bei Neuteilen)
    • Auf der Oberfläche befindliche Trennmittel oder Fette müssen entfernt werden. Dies kann durch die Anwendung von lösemittelhaltigem Silikonentferner oder wasserbasiertem Silikonentferner geschehen.
    • Die Verwendung eines antistatischen Kunststoffreinigers ist ebenfalls zu empfehlen.
  • 2. Tempern (bei Neuteilen)
    • Aufgrund möglicherweise vorhandener Trennmittel, die sich aufgrund der Herstellung auch im Kunststoff selbst befinden können, sollten diese vor der Weiterbearbeitung getempert werden, um ein Ausdünsten dieser Mittel zu bewirken.
    • (Das Tempern sollte idealerweise in einem Trockenofen erfolgen. Aufgrund der Gefahr von Verformungen sollte die Temperatur im Ofen 60 Grad Celsius nicht übersteigen. Wenn kein Trockenofen vorhanden ist, können die Bauteile auch beispielsweise im Sommer in die Sonne gelegt werden.)
  • 3. Reinigung (bei Neuteilen)
    • Nach dem Tempern muss die Oberfläche von Trennmitteln befreit werden. in lösemittelhaltiger als auch ein wässriger Silikonentferner verwendet, gefolgt von der Anwendung des speziellen antistatic Kunststoffreinigers.
  • 4. Schleifen
    • Für das Schleifen von neuen Kunststoffteilen ist ein gleichmäßiger Schliff mit einem Schleifvlies (P360) ausreichend. Mitteltiefe Kratzer und Beschädigungen können in der Regel auch verschliffen werden. Jedoch müssen grobe Schleifriefen sorgfältig fein nachgeschliffen werden. Plastomere Kunststoffe tendieren dazu, sich beim Trockenschleifen aufgrund der Reibung zu schmieren und aufzustellen. In diesem Fall kann die Oberfläche mit feinem Nassschleifpapier (P400 oder P600) feucht nachgeschliffen werden, um sie wieder zu glätten.
  • 5.Reinigung
    • Reinigen der Oberfläche und Entfernen des durch das Schleifen entstandenen Schleifstaubs und eventuell vorhandener Schleifbrühe. Der Einsatz eines antistatischen Kunststoffreinigers ist auch hier zu empfehlen.

Das Grundieren

  • 6. Kunststoffhaftvermittler
    • Die Anwendung eines Kunststoff-Haftvermittlers unterstützt zusätzlich die Funktion der Grundierung als Haftbrücke zwischen Kunststoff und Beschichtung.
  • 7. Auftragen der Grundierung
    • Das Grundieren von Kunststoff sollte möglichst immer mit Hilfe einer 2K-Grundierung durchgeführt werden. Sie verhindert die Wanderung von Weichmachern, und es kann bei Bedarf ein Elastifizierungszusatz hinzugegeben werden.

Kunststoff Grundieren – Gebrauchtteile (10 Schritte):

Die Vorbereitung

  • 1. Reinigung
    • Die Reinigung aufgrund von Schmutz kann zunächst mit Spülmittel und einem Schwamm erfolgen. Die Verwendung spezieller antistatischer Kunststoffreiniger ist empfehlenswert, um das elektrostatische Aufladen bei größeren Flächen zu verhindern.
  • 2. Rückverformen
    • Bei Plastomeren Kunststoffen ist es möglich, durch vorsichtige und punktuelle Einwirkung von Wärme (z.B. mit einem Heißluftföhn) und anschließendes Formen mit einem Stielspachtel das Ersetzen von Bauteilen zu verhindern oder die Dicke des Spachtelauftrags enorm zu verringern.
    • Nachdem die gewünschte Form erreicht ist, kann der Kunststoff durch einen mit Wasser getränkten Schwamm zum Abkühlen und Erstarren gebracht werden.
  • 3. Entfernen der Altbeschichtung
    • Je nach Beschädigungsgrad muss zum Beispiel beim Abblättern oder bei Rissen in der Altbeschichtung, diese durch Schleifen entfernt werden. Kleine Druckpunkte, die durch das Drücken bei der Rückverformung entstanden sind, können ebenfalls durch Schleifen geglättet werden.
  • 4. Reinigung
    • Die Oberfläche muss nach dem Tempern von Trennmitteln befreit werden. Sowohl ein lösemittelhaltiger als auch ein wässriger Silikonentferner werden verwendet, gefolgt von der Anwendung des speziellen antistatischen Kunststoffreinigers.
  • 5. Kunststoffhaftvermittler
    • Dieser fördert die Haftung des Kunststoffspachtels und verhindert zusätzlich das Ausfransen des Übergangs zwischen Kunststoff und Spachtel.
  • 6. Spachteln
    • Der Kunststoffspachtel sollte möglichst dünn aufgetragen werden, da er die größte Schwachstelle darstellt, wenn der Kunststoff verwindet oder sich verformt.
      Bei möglichen Randzonen nach dem Verschleifen ist es empfehlenswert, eine weitere dünnere Schicht großflächig aufzutragen.
  • 7. Schleifen
    • Verschleifen des Spachtels und kleinerer Beschädigungen wie Kratzer. Mitteltiefe Kratzer und Beschädigungen können in der Regel auch verschliffen werden. Jedoch muss man grobe Schleifriefen sorgfältig fein nachschleifen. Plastomere Kunststoffe tendieren dazu, sich beim Trockenschleifen aufgrund der Reibung zu schmieren und aufzustellen. In diesem Fall kann die Oberfläche (P400 oder P600) feucht nachgeschliffen werden (P400 oder P600), um sie wieder zu glätten.
  • 8.Reinigung
    • Reinigen der Oberfläche und Entfernen des Schleifstaubs und der Schleifbrühe. Auch hier empfiehlt sich der Einsatz eines antistatischen Kunststoffreinigers.

Das Grundieren

  • 9. Kunststoffhaftvermittler
    • Die Anwendung eines Kunststoff-Haftvermittlers unterstützt zusätzlich die Funktion der Grundierung als Haftbrücke zwischen Kunststoff und Beschichtung.
  • 10. Auftragen der Grundierung
    • Das Grundieren von Kunststoff sollte möglichst immer mit Hilfe einer 2K-Grundierung durchgeführt werden. Diese verhindert die Wanderung von Weichmachern, und es kann bei Bedarf ein Elastifizierungszusatz hinzugegeben werden.

Kunststoff lackieren ohne Grundierung

Kunststoffe werden industriell geflammt, um eine dauerhafte Haftung mit Beschichtungsstoffen zu erzielen. Im privaten Bereich sollte davon jedoch abgesehen werden. Das Erhitzen von Kunststoffen führt sehr schnell zu Verformungen. Ein zu punktuelles Erwärmen kann sogar zu Beschädigungen führen.

Häufige Fragen & Antworten

Wie grundiert man Plastik?

Zur Vorbereitung von neuwertigen, unbeschichteten Kunststoffbauteilen solltest du diese zunächst mit speziellen Kunststoffreinigern abwaschen, um eventuell vorhandene Trennmittel von der Herstellung zu beseitigen.

Diese Bauteile sollten danach, wenn möglich, getempert werden. Dies bedeutet eine kurz andauernde Temperatureinwirkung, zum Beispiel durch das Einbringen in einen Trockenofen.

(Falls kein Trockenofen vorhanden ist, kann dies auch im Hochsommer in der Sonne durchgeführt werden)

Wie lange muss Grundierung auf Plastik trocknen?

Eine Grundierung auf Kunststoff ist ein 2-Komponenten-Produkt, das mehrere Stunden für die vollständige Trocknung benötigt. (Herstellerangaben beachten!)

Die Trocknungsdauer hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Objekttemperatur
  • Umgebungstemperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Schichtstärke
  • Art des Produkts

(Der Einsatz von Infrarotstrahlern oder Trocknungsöfen kann die Dauer der Trocknung beschleunigen!)

Welche Grundierung für Acrylfarbe auf Kunststoff?

(Idealerweise immer eine 2K-Grundierung mit speziellen Kunststoffadditiven und bei Bedarf Elastifizierungszusätzen!)

Die Art der Grundierung ist entscheidend für die Haftung der Farbe

bzw. des Lacks auf dem Kunststoff.

ABER die Farbe ist nicht entscheidend für die Art der Grundierung.

Fazit

Um langfristig zufriedenstellende Ergebnisse mit einer konstant haftenden Beschichtung zu erzielen, sollte der Kunststoff mithilfe der zuvor beschriebenen einzelnen Schritte und einer geeigneten 2K-Kunststoffgrundierung beschichtet werden. Nur so erreicht man zwangsläufig ein professionelles Ergebnis.