Füllern: Ein entscheidender Schritt für perfekten Lack

Das Füllern ist ein äußerst wichtiger Bestandteil des Lackaufbaus. Ohne Füller wird die Oberfläche nicht nur weniger ansprechend, sondern zeigt schon bald weitaus schwerwiegendere Mängel als der vorherige Anblick. Hier erklären wir dir, warum dies geschieht und wie der Füller dem entgegenwirkt.

Oldtimer Füllern
Quelle: lack-lounge.de

Füllerarten

Bevor man sich dem Füllern widmet, sollte man sich mit den verschiedenen Arten von Füllern vertraut machen. Hier sind einige, die du kennen solltest:

1K Füller

Einkomponenten-Füller sind äußerst einfach in ihrer Anwendung. Sie müssen nicht extra angemischt werden und trocknen sehr schnell. Allerdings weisen sie nur eine geringe Schichtstärke auf, weshalb sie sich lediglich für das Ausbessern von durchgeschliffenen Stellen oder das Isolieren bestimmter Untergründe eignen.

2K Füller

Zweikomponenten-Füller werden durch Zugabe von Härtern zum Aushärten gebracht. Diese müssen nach dem Vermischen der beiden Komponenten innerhalb einer bestimmten Zeit (Topfzeit) verarbeitet werden. Im Vergleich zu Einkomponentenprodukten weisen sie einen höheren Festkörperanteil auf, wodurch deutlich höhere Schichtstärken erzielt werden können.

2K-Füller gibt es entweder in unterschiedlichen Grautönen oder sie werden in Schwarz und Weiß angeboten, was es dem Anwender ermöglicht, die gewünschte Graustufe durch das Mischen beider zu erreichen.

2K Füller schwarz

Ein Zweikomponentenfüller in Schwarz wird bevorzugt bei sehr dunklen Farbtönen verwendet, um das Deckvermögen des darauffolgenden Lackaufbaus zu unterstützen und dadurch eine Einsparung an Material zu ermöglichen. Des Weiteren eignet sich ein schwarzer Füller perfekt dazu, bei größeren Flächen die Oberfläche einfacher auf Unebenheiten hin kontrollieren zu können

2K Füller weiß

Ein Zweikomponentenfüller in Weiß ist das Gegenstück des schwarzen Füllers und wird statt bei dunklen Farbtönen bevorzugt vor sehr hellen Farben verwendet. Seine Aufgabe ist ebenfalls, das Deckvermögen des darauffolgenden Lackaufbaus zu unterstützen und dadurch eine Einsparung an Material zu ermöglichen.

2K Füller Spraydose

2K-Füller-Spraydosen sind Sprühdosen, die über einen Mechanismus verfügen. Durch Betätigen eines Knopfs wird innerhalb der Dose sichergestellt, dass sich die Komponenten miteinander vermischen. Gelegentlich kann es aufgrund mechanischer Probleme oder Anwendungsfehlern zu unzureichendem Vermischen kommen, was zu Problemen führen kann. Aus diesem Grund sollte die auf der Dose abgebildete Bedienungsanleitung genau befolgt werden, um das bestmögliche Ergebnis zu erhalten.

2K EP Füller

Zweikomponenten-Epoxidharz-Füller oder auch Epoxidharz-Grundierfüller eignen sich hervorragend zum Beschichten von metallischen Untergründen, da sie besonders korrosionsbeständig sind und äußerst gut auf diesen Oberflächen haften.

Nass in Nass Füller

Nass-in-Nass-Füller sind ebenfalls Zweikomponentenprodukte, die je nach Material nach einer bestimmten Ablüftzeit überlackierbar sind, ohne zuvor getrocknet und geschliffen zu werden. Sie können jedoch auch nach der Trocknung für eine Korrektur der Oberfläche wie herkömmliche Füller geschliffen und überarbeitet werden.

Dickschichtfüller

Der Dickschichtfüller ist im Grunde die moderne Alternative zum Spritzspachtel. Aufgrund des hohen Festkörperanteils kann dieser in vergleichsweise „dicken“ Schichten aufgetragen werden und so Unebenheiten ausgleichen.
Aber weder ein Dickschichtfüller noch ein Spritzspachtel sind in der Lage, ganze Dellen zu beseitigen. Beide Produkte helfen dabei, „gerichtete“ und möglicherweise bereits „gespachtelte“ Flächen von verbliebenen Unebenheiten zu befreien.

Kunststoff Füller

Kunststofffüller ist ein spezieller Füller, der mithilfe von enthaltenen Additiven hervorragend auf Kunststoff haftet und somit den Untergrund perfekt mit dem weiteren Lackaufbau verbindet.

UV Füller

Ein UV-Füller wird hauptsächlich für kleinere Reparaturen wie Smart- oder Spot-Repair eingesetzt. Dieser Füller ist lasierend bzw. durchsichtig, da er mithilfe von UV-Licht aus einer speziellen UV-Lampe trocknet und in unter einer Minute ausgehärtet ist. Direkt im Anschluss kann er bereits verschliffen und überlackiert werden.

Acrylfüller

Acrylfüller lassen sich durch ihren hohen Festkörperanteil in relativ hoher Schichtstärke auftragen und bieten je nach Produkt auch guten Schutz vor Korrosion. Sie werden als Schleif- oder auch als Nass-in-Nass-Füller eingesetzt und sind zudem besonders beständig.

Die Auswahl des passenden Füllers hängt von der Art der Schäden und der Beschaffenheit der Oberfläche ab, die du bearbeiten möchtest!

Warum Füllern?

Warum überhaupt Füllern? Die Antwort liegt in der Fähigkeit des Füllers, Unebenheiten und Schäden auszugleichen. Egal, ob es sich um kleine Kratzer oder tiefe Dellen handelt, der Füller schafft die perfekte Basis für einen makellosen Lackauftrag. Er ist der unsichtbare Held, der dein Fahrzeug nicht nur ästhetisch, sondern auch strukturell verbessert.

Vorbereitung vor dem Füllern

„Reinigen“ vor dem Füllern

Vor dem eigentlichen Füllern ist eine gründliche Reinigung der zu reparierenden Oberfläche von Schmutz, Fett und altem Lack unerlässlich. Dies ermöglicht eine optimale Haftung des Füllers und trägt zur fachmännischen Reparatur bei.

„Schleifen“ vor dem Füllern

Der richtige Schliff vor dem Füllprozess ist ausschlaggebend für ein langanhaltendes, perfektes Ergebnis. Schleifkratzer von zu grobem Schleifpapier werden nach einem kurzen Zeitraum wieder sichtbar. Vor allem im Randzonenbereich ist ein geeigneter Schliff äußerst wichtig, um zu verhindern, dass sich zu grobe Schleifspuren nach kurzer Zeit sichtbar abzeichnen.

„Abdecken“ vor dem Füllern

Das Abdecken schützt in erster Linie den Rest des Fahrzeugs oder der Fläche, der nicht beschädigt und mit Füller beschichtet werden soll.

Des Weiteren ist ein sorgfältiges und angemessenes Abdecken beim Füllern von Teilbereichen sehr hilfreich, um weichere Verläufe (beim Spritzen) auf der Oberfläche zu erzeugen und dadurch zu verhindern, dass sich zu scharfe Kanten bilden. Denn diese könnten sich im Nachhinein als kleine, stark sichtbare Wellen erkennbar machen!

Sicherheitsmaßnahmen beim Füllern


Ein Bestandteil von Zweikomponentenfüllern ist Isocyanat, das die Schleimhäute und die Atmungsorgane reizt!

Verwende daher immer geeignete Schutzausrüstung wie:

  • Handschuhe während des Mischens der Komponenten
  • Atemschutzmaske gegen Spritznebel und Dämpfe während der Verarbeitung
  • geeignete Absaugvorrichtung, um dich, deine Umgebung und dein Umfeld zu schützen
  • passende Behälter für Lösemittel zum Reinigen der Füllerpistole nach dem Gebrauch

Besonders wenn du mit chemischen Substanzen arbeitest, sollte deine Sicherheit und die Sicherheit anderer immer an erster Stelle stehen.

Schritt für Schritt Anleitung

  1. Reinigung: Sorge für eine makellose Oberfläche durch gründliche Reinigung.
  2. Abdecken: Bei Reperaturen von nur einzelnen Bereichen ist ein sorgfältiges und richtiges abdecken wichtig.
  3. Auswahl des Füllers: Wähle den passenden Füller für den spezifischen Reparaturbedarf und Untergrund aus.
  4. Mischen: Bereite den Füller gemäß den Herstellerangaben vor. durch ein feines Sieb in den spritzbecher geben.
  5. Auftragen: Trage den Füller gleichmäßig auf die zu reparierende Stelle auf. mit der richtigen spritzdüse dem richtigen druck und durch mehrere aufeinanderfolgenden Spritzgängen mit dazwischen ausreichend zeit zum ablüften
  6. Trocknung: Lass den Füller gemäß den Anweisungen des Herstellers trocknen.
  7. Schleifen: Schleife die behandelte Stelle für eine glatte Oberfläche.

Tipps & Tricks

  • Temperatur beachten: Arbeite in einer Umgebung mit empfohlener Temperatur, um optimale Verarbeitungs- und Trocknungsbedingungen zu gewährleisten.
  • Schichtdicke: Trage den Füller in mehreren dünnen Schichten auf, um ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen.
  • Schleifpapier: Wähle das richtige Schleifpapier für den gewünschten Schliff.

Häufige Fehler beim Füllern

  • Falsches Mischungsverhältnis
  • Verdünnung ist länger als Härter
  • Nicht gesiebt beim Einfüllen in den Spritzbecher
  • Umgebungstemperatur nicht beachtet
  • Mangelndes Abdecken von Flächen und Fahrzeugen in der Umgebung
  • Zu kleinflächig abgedeckt: Kann zu einer Kantenbildung führen
  • Übermäßiger Füllerauftrag kann zu Rissen und Blasen führen
  • Zu trockenes Auftragen bei zu hohem Druck oder auch zu großem Abstand zwischen Füllerpistole und Fläche
  • Zu nasses Auftragen bei zu niedrigem Druck oder auch zu kleinem Abstand zwischen Füllerpistole und Fläche
  • Ablüftzeiten zwischen den Spritzgängen nicht einhalten. Statt Schichtstärke aufbauen, verschwimmen der Spritzgänge ineinander
  • Trocknungszeiten nicht beachtet

Häufige Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Grundierung und Füller?

Die Grundierung bereitet die Oberfläche vor, während der Füller Poren und Schleifspuren füllt. Als zusätzliche Schutzschicht macht der Füller die Oberfläche widerstandsfähiger gegenüber Steinschlägen und anderen mechanischen Belastungen.

Wann muss man Füllern?

Das Füllern ist besonders wichtig nach dem Auftragen und Verschleifen von Spachtelmasse, um Poren und Randzonen zu füllen und Untergründe zu isolieren.

Was versteht man unter Füller?

Ein Füller ist eine Substanz, die aufgetragen wird und durch ihre erhöhte Füllkraft die Oberfläche glättet. Dabei werden leichte Unebenheiten, Poren und Schleifkratzer beseitigt.

Was bringt Füllern?

Füllern verbessert die Optik der Lackoberfläche, macht sie widerstandsfähiger und erhöht dadurch die Haltbarkeit der Reparatur.

Was kommt zuerst: Grundierung oder Füller?

Die Grundierung wird zuerst aufgetragen, um eine Verbindung zwischen Untergrund und Lackauftrag herzustellen. Darauf folgt der Füller, der dazu dient, die zu lackierende Oberfläche weiter zu glätten.

Wie lange warten nach Füllern?

Die Trocknungszeit variiert je nach Füller (z.B. 1K-, 2K- oder UV-Füller) und Umgebungsbedingungen (z.B. Temperatur oder Schichtdicke). Die Herstellerangaben sollten beachtet werden.

Was ist Filler beim Lackieren?

„Filler“ ist die englische Bezeichnung für „Füller“.

Warum heißt der Füller Füller?

Der Name „Füller“ leitet sich von seiner Funktion ab, durch seine Füllkraft Poren und Schleifkratzer zu füllen und leichte Unebenheiten auszugleichen.

Ist Füller eine Grundierung?

Je nach Art des Füllers kann er auch auf blanken Untergründen aufgetragen werden und dient somit als Grundierung. Allerdings ist dabei darauf zu achten, dass der jeweilige Füller die speziellen Eigenschaften wie Korrosionsschutz oder Haftung besitzt.

Welche Körnung vor dem Füllern?

Vor dem Auftragen des Füllers sollte das zuletzt verwendete Schleifpapier in der Regel eine Körnung von P400 haben.

Beim Füllern von kompletten Flächen:

Körnung min. P240 oder P400

Für das Füllern von Teilbereichen:

feinere Körnung min. P400

Je größer der „Hub“ der verwendeten Schleifmaschine ist, desto feiner muss die Körnung des Schleifpapiers sein. (Die oben genannten Angaben gelten für einen 3 mm Hub.)

Bei zu grober Körnung:

Schleifkratzer werden nach Wochen wieder sichtbar, da das Material in den zu groben Schleifkratzern nachfällt, während der umliegende Lack seine Schichtstärke beibehält.

Bei zu feiner Körnung:

Bilden sich dünne, teilweise sogar sicht- und spürbare Randzonen, die kleine Kanten bzw Wellen auf der Lackoberfläche verursachen.

Zusammenfassung

Die richtige Wahl des Füllers entscheidet ebenso über das spätere Erscheinungsbild der Oberfläche wie die geleistete Vorarbeit. Deshalb wähle aufgrund der Schadensart und der Schadensgröße den für dich am besten geeigneten Füller.

Die korrekte Anwendung der Produkte ist ausschlaggebend für die Qualität der Reparatur. Faktoren wie Mischungsverhältnis, Spritzdruck, Düsengröße, Abstand, Temperaturen, Spritzgänge und Schichtstärke sind entscheidend und können bei Abweichungen das Ergebnis enorm beeinflussen.

Das Tragen persönlicher Schutzausrüstung und die Verwendung von Absaugvorrichtungen sollten im Interesse aller dringend eingehalten werden. Denn der Gesundheitsschutz ist immer um ein Vielfaches wichtiger, als er im Moment erscheinen mag.

Das Einhalten der vom Hersteller vorgegebenen Trockenzeiten ist genauso wichtig wie der gesamte vorherige Prozess. Ein überhastetes Weiterbearbeiten verfälscht nur unnötig das gewünschte Ergebnis und kann im schlimmsten Fall den Bedarf nach erneutem Füllern zur Folge haben.